DISKUSSION

Am 11. Juni wurde das hier veröffentlicht:

“Kommentar:

1 Kommentar, der keiner Kommentierung bedarf:

http://antideutscheaktionberlin.blogsport.de/…/klassenkamp…/

– Genosze CroHaftiHerzl“

Und heute, am 18. Juni, dazu ein Gegenkommentar:

Dieser Kommentar hier ist als eine Art Gegenbeitrag zu dem vor ein paar Tagen veröffentlichten Link zum Text “Klassenkampf ohne Klasse“ der Antideutschen Aktion Berlin gedacht.

http://antideutscheaktionberlin.blogsport.de/2013/04/18/klassenkampf-ohne-klasse/

Charakteristisch für den Text respektive für den*die Autor*in des Textes erscheint mir, dass in äußerster Selbstgefälligkeit wohl ganz bewusst sehr selektiv geschrieben wird. In welchen Formen, will ich hier angehen.

Zum einen: da wird ein Kommentar über das Thema “Klassenkampf“ geschrieben, und dieser ganz der Demo zum “revolutionären 1. Mai“ in Berlin gewidmet.

Und zwar mit dem erweckten Eindruck als würde diese Demonstration den Begriff “Klassenkampf“ vollständig ausdrücken, gar alleine für ihn stehen. Funktionieren tut das natürlich super, so kann man auf dieses Event alles mögliche projizieren.

Der “revolutionäre“ 1. Mai in Berlin steht ja, wie im Text richtig beschrieben, vor allem für viel Elend. Für Leute die meinen durch brennende Autos würde die kapitalistische Gesellschaft ins Wanken gebracht werden oder gar zum Umsturz, was nunmal komplett unsinnig und irrational ist. Brennende Barrikaden können eine Aktionsform sein, aber nicht gesellschaftsverändernd. Und in diesem Jahr gab es auch einen ekelhaften antisemitischen Zwischenfall, an dem u.a. Fuad Afane beteiligt war.

Was es die letzten Jahre sonst noch so an Widerlichkeiten gab, kein Plan.

ABER das ist eben nicht das einzige was unter den Begriff “Klassenkampf“ fällt, da wären nur die derzeitigen Streiks und Proteste in Frankreich zu nennen oder Aktionen von z.B. der FAU in Deutschland, um im lokalen Rahmen zu bleiben. Diese Sachen fallen auch unter die Thematik Klassenkampf, werden von der ADAB aber konsequent ausgeblendet.

Dazu noch ein schönes Zitat über die Diskussion, was denn Klassenkampf heute wäre und obs das überhaupt noch gibt:

Analog zur traurigen Tatsache, dass nicht wenige Linke und MarxistInnen meinen, sie könnten das Proletariat mit einer Liste von Merkmalen definieren, wird oftmals Klassenkampf mit ganz bestimmten, heute nostalgisch anmutenden Formen gleichgesetzt. In einem weiteren Schritt wird dann bedauernd, aber oftmals auch mit hämischen Grinsen konstatiert, den Klassenkampf gebe es nicht mehr oder wenn doch sei er völlig irrelevant. Wenn also Arbeiter nicht ihre schwieligen Fäuste ballen und Kampflieder singend aus den Werkshallen strömen, dann sei es mit dem Klassenkampf Essig.“ aus diesem Text http://www.grundrisse.net/grundrisse11/11karl_reitter.htm

Zum anderen:

Nur weil man meint dass man guten Eindruck macht indem man irgendwelche Marx-Zitate anbringt, ist das nicht automatisch der Fall. Da gehört schon mehr dazu, vor allem wenn man einfach falsche “Tatsachen“ aufwirft:

Kleinkriminelle, Arbeitslose und Studenten, in der Sprache der Revolution: Kleinbürger, pauperisiertes Lumpenproletariat, gelangweilte Bürgersöhne und -schwestern schmeißen in Kreuzberg fleißig Pflastersteine auf Polizisten, die laut Marxscher Klassentheorie eindeutig als Proletarier zu bezeichnen wären“ steht dann im ADAB-Text. Marx hat viele Dinge zum Beamtentum und der Abschaffung desselben geschrieben, aber nicht dass er sie zum Proletariat zählt. Das kann man kritisieren wenn man will, aber wenigstens sollte man das wissen.

Weder sollte man sich allein in Demonstrationen systemverändernde Wirkungen hineinimaginieren, noch sie komplett ablehnen, so sehe ich das. Demos können ein gutes Mittel sein öffentlichen Protest und Solidarität zu zeigen, ja sind sie doch eins der besten Mittel dafür, aber dürfen nicht alleine stehen sondern müssen (respektive müssten) in eine weitergehde Praxis eingebunden werden. Diese Praxis kann sein, sich am Arbeitsplatz gegen Unrecht zu engagieren, Geflüchteten und anderen Marginalisierten zu helfen, sich gegen die Menschenfeinde zu stellen, ob sie jetzt auf der Straße oder im Parlament auftreten, und selbstverständlich auch gegen all das etwas zu tun, was man unter dem Begriff “Linksreaktionär“ zusammenfassen kann.

Nicht nur deswegen, um die Gesellschaft zu verändern, sondern auch, um das eigene Leben besser zu machen.

So ist es natürlich eine gute Idee am ersten Mai auszuschlafen, besonders wenn man dazu sonst nicht die Möglichkeit hat, denn ausschlafen und Faulheit sind eine super Sache. Man kann sich aber auch an den klassischen 1. Mai-Demos beteiligen, schon deshalb um progressive, emanzipatorische Inhalte in sie zu tragen, wenn man das eben will, oder wenn es die Notwendigkeit gibt, Aufmärsche von Faschist*innen stören und stoppen.

~Alex“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s