PERSÖNLICHER KOMMENTAR: ERSTER MAI IN PLAUEN

Gemeinsam mit vielen anderen Menschen demonstrierten wir am ersten Mai in Plauen gegen einen vom III. Weg organisierten Naziaufmarsch unter dem Motto “Kapitalismus zerschlagen – für einen deutschen Sozialismus“, und unterstützten dabei die [’solid] Vogtland sowie die Antifaschistischen Gruppen des Vogtlands.

Dass sich Nazis als antikapitalistisch verstehen und dabei regressive, reaktionäre Erklärungen des Kapitalismus äußern ist nichts neues, ebenso wie es kein Zufall ist dass ausgerechnet Plauen als Demonstrationsort gewählt wurde.
Die Nazis des III. Wegs hatten Unterstützung zum Beispiel aus England und Ungarn sowie von unterschiedlichsten deutschen Gruppierungen und zogen je nach Schätzung zwischen 750 und 1000 Menschen an.
Für die “Time to Act“-Demo mobilisierten neben dem gleichnamigen Bündnis unter der Kampagne “Nationalismus ist keine Alternative“ auch das …ums Ganze!-Bündnis bundesweit sowie viele andere Gruppen, ihnen folgten ca. 1200 Antifaschist*innen, dabei auch Genoss*innen aus Tschechien. Stabil!
Es gab mehrere Versuche die Route der Nazis zu blockieren, wobei eine Blockade mit dazu führte dass die Faschist*innen ihre Demo selber auflösten – um danach auf einer neu angemeldeten Spontandemo zum Angriff auf die Polizei überzugehen, was zu Straßenschlacht-Szenen führte.
Die Polizei bekam die Situation mit Wasserwerfer-Einsatz wieder unter ihre Kontrolle, konnte jedoch nicht verhindern dass zuvor eine Gegendemonstrantin bewusstlos geschlagen wurde.
Generell war die Polizeitaktik, gelinde gesagt, extrem fragwürdig:
Während gekennzeichnete Reporter*innen von Einsatzkräften bei beiden Demos geschubst, ein Pressemensch gar niedergeschlagen wurde und die Antifa-Demo immer wieder teilweise grundlos nicht weiterlaufen durfte und mit Pfefferspray und Schlagstock schikaniert wurde – mit Verletzungen bei den Teilnehmer*innen zur Folge – wurden andererseits die Nazis anscheinend so lückenhaft durchsucht dass massenweise Pyrotechnik, aber auch Quarzsandhandschuhe und Taucherbrillen auf ihrer Demo auftauchten. Ebenso wurde eine komplett vermummte Spontandemo der sogenannten “Autonomen Nationalisten“ (mit der Forderung Merkel ins KZ zu schicken) noch vor dem eigentlichen Aufmarsch einfach so hingenommen hingenommen. Siehe: https://twitter.com/r_dullinge/status/726697696363425792
Hier ein Überblick über die Aktionen der Faschist*innen: http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/plauen-rechte-randale-mit-ank-ndigung.
Im Vorfeld wurde unter anderem von der BILD-Zeitung fantasiert dass die Berliner Krawalle in die sächsische Provinz verlegt werden, und der “Runde Tisch“ in Plauen hatte die größte Sorge dabei sich von der Antifa-Demo zu distanzieren, und nicht darin dass sich zum Nationalsozialismus Bekennende in ihrer Stadt einen riesigen Aufzug planen.
Randaliert und Andersdenkende angegriffen haben schlussendlich nicht die bösen Linksautonomen die sich wahrscheinlich nur durch die Aktionsform des Schwarzen Blocks vor noch mehr Repression schützen konnten, sondern die Nazis.
Wie letztes Jahr auch in Saalfeld, und dazwischen in ganz Deutschland, ob es nun Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte oder auf politische Gegner*innen waren, stets begleitet von menschenfeindlicher Ideologie und unterstützt durch den allgegenwärtigen Rassismus in den Parlamenten.
Dem gilt es aus meiner Sicht eine aktive antifaschistische Bewegung entgegen zu stellen, die in die Offensive geht und emanzipatorischen Grundsätzen folgt, statt sich auf den Staat zu verlassen. Dafür war die Demonstration auf jeden Fall ein gutes Zeichen.
Allen Widrigkeiten zum Trotz war der Tag in Plauen eben auch ein schöner und in manchen Bereichen erfolgreicher, auch wenn das Ziel nicht so richtig erreicht wurde und die menschenverachtende faschistische Propaganda sowie die daraus resultierenden gewalttätigen Aktionen auf die Straße gebracht werden konnten.
Sofern man der Typ Mensch dafür ist war es dann doch auch irgendwo spaßig, und definitiv wirksamer als jedes Jahr die selben Texte auf der eigenen “revolutionären“ und doch irgendwie fast immer gleichen Demo zu verkünden.
PM des Time to Act-Bündnis:
PM von Nationalismus ist keine Alternative:
~alex (surprise surprise, pseudonym)
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