Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus

Heute Abend, am 23.03., haben Mitglieder von uns den Vortrag „Meuten, Swings & Edelweißpiraten. Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus“ im E-Werk in Erlangen besucht.

Gehalten wurde der Vortrag von Sascha Lange, dem Autor des gleichnamigen Buches, und Monchi, dem Sänger der antifaschistischen Band Feine Sahne Fischfilet. Sascha Lange machte die inhaltlichen Sachen, während Monchi ihn unterstützte und Berichte von Polizei, Gestapo etc. vorlas. Sehr cool war das Abspielen einer alten Swing-Platte mit einem ebenso alten Koffergrammophon.

Im Vortrag ging es nicht um den “angeleiteten“ Widerstand Jugendlicher in parteipolitischen, religiösen etc. Vereinen, sondern um die Bildung eigener Jugendsubkultur(en) und die Verteidigung dieser gegenüber dem Versuch des deutschen Faschismus, die komplette Gleichschaltung zu erreichen und alle Menschen in die Hilterjugend zu kriegen. Besonders zwei wichtige Punkte wurden von Sascha Lange beschrieben:

So gab es einmal Jugendliche aus proletarischen Kreisen (z.B. die “Meuten“ oder die allseits bekannten Edelweißpirat*innen), welche eher linkspolitisch sozialisiert waren und am Wochenende aufs Land fuhren um dort dem Arbeitstrott zu entfliehen, andererseits die eher bürgerlich geprägte Swing-Jugend, die zu englischer und amerikanischer Swing-Musik (welche von den Nazis unbeabsichtigt ausgerechnet im Zuge der olympischen Spiele 1936 in ganz Deutschland Verbreitung fand) feierte. Beide Subkulturen hatten keine übergeordnete Organisierung und die Kommunikation war meist nur auf das eigene Stadtviertel begrenzt, aber überall waren sie geschlechtergemischt und hatten den Zweck die eigene Freizeit so unterhaltsam wie möglich zu gestalten. Womit sie für die NS-Ideologie natürlich “verwahrlost“ und “verräterisch“ waren.

Besonders die jugendlichen Arbeiter*innen setzten sich auch aktiv auf der Straße gegen die HJ zur Wehr, es gab Auszüge aus Berichten über Angriffe dieser Menschen auf HJ-Leute. Stabile Sache!

Es lässt sich aber sagen, dass die Motivation für die oppositionelle Haltung zur nationalsozialistischen Staatsdoktrin und der Hitlerjugend nicht primär die politische Meinung war, sondern meist der Willen die eigene Freizeit besser zu gestalten als mit dem sehr eingeschränkten Programm der HJ. Das hat auch dazu geführt, dass anscheinend einige Kleingruppen der Edelweißpirat*innen nach dem Sieg über den deutschen Faschismus in Opposition zu den Alliierten gegangen sind und die NS-Zeit verklärt haben, weil sie auch nach dem Sieg der Alliierten unter diesen ihre Freizeit nicht so verbringen konnten wie sie wollten.

Andererseits gab es aber auch selbstverständlich Überschneidungen von Subkultur und Politik und manche Jugendlichen sind in den aktiven Widerstand gegen den deutschen Faschismus übergegangen. Besonders das Gedenken an diese sollten wir hochhalten, an Jüd*innen, Kommunist*innen und andere, denn sie wurden schlussendlich deportiert und nur wenige haben überlebt.

Als Fazit können wir geben, dass es eine gute Idee war den Vortrag zu besuchen und wir allen Menschen nur empfehlen können sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

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